Dark Patterns – Die dunkle Seite des Digital Nudging

Dark Patterns sind für viele von uns nervig und frustrierend. Sie täuschen uns und führen uns in die Irre. Im schlimmsten Fall verlieren wir dabei Geld oder werden dazu gebracht mehr über uns preiszugeben als uns lieb ist. In diesem Blogbeitrag erklären wir dir, was Dark Patterns sind und wie du dich gegen sie wehrst.




Dunkle Nudges - Siehst du schon klar oder tappst du noch im Dunkeln?


In unseren letzten Blogbeiträgen haben wir dir bereits mehrere kognitive Verzerrungen aus der Verhaltensökonomik vorgestellt. Diese Verzerrungen sind kurz gesagt die Erklärung für irrationales Verhalten. Warum wir uns nicht ausschließlich auf Nutzenmaximierung fokussieren, sondern äußere Einflüsse unser Handeln und unsere Wahrnehmung leiten, wird durch diese Prinzipien erklärt. Verlustangst (Loss Aversion), Framing und Gamification gehören zu den bekanntesten Beispielen.

Um dir nun zu erklären wie Dark Patterns funktionieren, sollten wir zusätzlich den Begriff des Digital Nudgings klären:

Digitale Empathie Online-Personalisierung

Beim Digital Nudging machen sich Webdesigner genau diese verhaltensökonomische Prinzipien und psychologische Effekte zu Nutze, um User in eine bestimmte Richtung zu „stupsen“ und ihnen bei ihrer Entscheidungsfindung zu helfen. Dabei wird vor allem auf positive Impulse und dezente, indirekte Vorschläge gesetzt. Besonders wichtig dabei ist jedoch, dass User sich zu jeder Zeit anders entscheiden können und kein Zwang entsteht.


Leider haben aber nicht alle Unternehmen nur ein subtiles Anstupsen oder allgemein eine Verbesserung der User Experience im Sinn. Durch die Nutzung von sogenannten Dark Patterns können sie die User dazu bringen, Dinge zu tun, die dem ursprünglichen Interesse der User entgegenlaufen.


Was sind Dark Patterns?


Dark Patterns gehen zurück auf den User Experience Spezialist Harry Brignull. Dieser definierte 2010 Dark Patterns wie folgt:


„Dark Patterns are tricks used in websites and apps that make you do things that you didn't mean to, like buying or signing up for something.“ – Harry Brignull, Quelle: https://www.darkpatterns.org/

Dark Patterns verfolgen also die Intention die User auszutricksen und dazu zu verführen im Interesse des Website Betreibers zu handeln. Beim Vorliegen aller Informationen oder der Möglichkeit zwischen verschiedenen Alternativen zu wählen, hätten die User demnach eine andere Entscheidung getroffen.


Dark Patterns Digital Nudging

Erinnere dich zurück:

Kennst du die Situation? Du wolltest schon einmal deinen Account löschen, hast aber nach erfolglosem Suchen nach dem Button zum Löschen letztendlich aufgegeben? Oder du wolltest nur einen kostenlosen Probemonat ausprobieren und jetzt hast du ein teures Abonnement am Hals? Dies alles sind Beispiele für Dark Patterns. Anstatt dich durch Webdesign zu unterstützen, setzen Unternehmen gezielt Dark Patterns ein, um dich von deinem Ziel abzuhalten. Unternehmen stellen damit gezielt ihre eigenen Interessen über deine, um ein von ihnen erwünschtes Verhalten zu erzielen.


Wie funktionieren Dark Patterns?

In unserem letzten Blogbeitrag haben wir dir gezeigt wie sich unser Gehirn vor den Unmengen an Informationen schützt, die tagtäglich auf uns einprasseln. Um dieser Informationsmenge gerecht zu werden, konzentriert sich unser Gehirn nur auf wichtige Informationen und blendet unwichtige aus.


Beispiel:

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Wenn du dir eine Website anschaust, wirst du höchstwahrscheinlich nicht jedes Wort lesen. Deine Augen werden gezielt nach großen Buttons, Farbunterschieden und hervorgehobenen Wörtern suchen. Auf Grund deiner vorherigen Erfahrungen mit Websites bildest du dann Erwartungen an bestimmte Aktionen. Ein rotes „X" wirst du deswegen als Button interpretieren, mit dem du eine Seite schließen kannst. Webdesigner können dieses Verhalten zu ihrem Vorteil nutzen und dich austricksen.



Arten von Dark Patterns

Es gibt mittlerweile unzählige Arten von Dark Patterns. In diesem Abschnitt stellen wir dir vier Arten vor, die Brignull auf seiner Website definiert hat.


Roach Motel

... fängt dich ein und lässt dich nicht mehr gehen!


User kommen bei diesem Dark Pattern sehr leicht in eine bestimmte Situation (z.B. ein Premium Abonnement), aus der sie nur sehr schwer wieder rauskommen. Ein Beispiel hierfür sind Accounts, die du super leicht erstellen kannst, bei denen dir die Kündigung aber absichtlich erschwert wird. Beispielsweise musst du mit Mitarbeitern des Unternehmens telefonieren oder schreiben, die dich wiederum davon abhalten möchten zu kündigen. Oft ist dabei das zeitlich begrenzte Fenster zum Kündigen (wenn dies z.B. nur während der Geschäftsstunden möglich ist) eine zusätzliche Hürde.


Privacy Zuckering

... entlockt dir mehr Daten als dir lieb ist!


Dieses Dark Pattern ist nach Facebook CEO Mark Zuckerberg benannt. Dabei wirst du gezielt dazu gebracht mehr Informationen über dich preiszugeben als du eigentlich möchtest. Diese Informationen werden dann im Sinne des Unternehmens an Dritte verkauft. Eine Genehmigung dafür gibst du meist unwissentlich, indem du den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Datenschutzrichtlinien von Websites zustimmst, ohne genauer nachzulesen, was dort genau steht. Und sind wir mal ehrlich: Wer ließt sich das schon durch?


Sneak into Basket

... schleicht sich unbemerkt in deinen Warenkorb!


Bei diesem Dark Pattern werden Artikel, die vermeintlich zum Rest der Artikel in deinem Warenkorb passen, automatisch zum Warenkorb hinzugefügt. Dies kann dazu führen, dass du unwissentlich einen Artikel kaufst, und somit mehr Geld ausgibst als du eigentlich möchtest, wenn du den Inhalt des Warenkorbs nicht vor dem Check Out noch einmal überprüfst.


Bait and Switch

... führt dich gezielt in die Irre!


Hierbei führt eine bestimmte Aktion zu einem offensichtlich nicht erwünschten Resultat. Beispielsweise schließt sich durch Drücken auf ein rotes „X" das geöffnete Fenster nicht und stattdessen wirst du auf eine andere Seite weitergeleitet. Oder bei einem Spiel ist der Button, um mehr Züge zu kaufen genau dort, wo du normalerweise ein neues Spiel starten könntest. So erhöht sich also die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Button versehentlich von dir gedrückt wird, obwohl dies nicht in deinem Sinn war.



Lessons learned – Das solltest du wissen

Online-Personalisierung E-Commerce

Bestimmte Dark Patterns sind bereits verboten, aber rechtlich bewegen sich die meisten Dark Patterns in einer Grauzone. Der beste Weg, um sich gegen Dark Patterns zu wehren ist also in erster Linie sich über Dark Patterns zu informieren. Einen ersten Schritt hast du mit Lesen dieses Beitrags schon getan. In Zukunft kannst du z.B. darauf achten genauer zu lesen, nicht zu schnell auf Buttons zu klicken und dir vor dem Check Out noch einmal deinen Warenkorb anzusehen.

Außerdem veröffentlicht Harry Brignull auf seiner Seite in der „Hall of shame“ regelmäßig Dark Patterns, die von Unternehmen angewendet werden. Dort findest du 400 Beispiele von Dark Patterns.



Darum wenden wir bei brytes keine Dark Patterns an:


Unser Ziel bei brytes ist es den User auf seiner Customer Journey zu unterstützen und die User Experience zu verbessern. Denn: Nur glückliche User kommen wieder. Beim Anwenden von Dark Patterns wird das Vertrauen der User in den Shop nachhaltig geschwächt. Dies hat zur Folge, dass sie sich beim nächsten Mal vielleicht eher in einem anderen Shop umsehen. Aus diesem Grund konzentrieren wir uns lieber darauf das Vertrauen deiner User in deinen Shop zu stärken, damit sie gerne wieder deinen Shop besuchen. Dafür nutzen wir unser Wissen über kognitive Verzerrungen und unsere verhaltensökonomische Expertise, um Nudges auszuspielen, die deine User bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützen. Wir wenden also auch Digital Nudging an, allerdings

geben wir nur positive Impulse und achten darauf, dass die User zu jeder Zeit die Möglichkeit haben sich anders zu entscheiden.



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What do we do?

Brytes macht Online-Personalisierung empathisch. Mit unserer digital empathy engine erkennen wir digitale Körpersprache deiner User und unterstützen sie auf ihrer Customer Journey. Mit unserer Hilfe entscheiden sich deine Kunden leichter und sind zufriedener mit ihrer Auswahl. Mehr erfahren



Behind this article

Praktikum Behavioral Economics

Als Praktikantin im Bereich Behavioral Economics analysiert Eleni das individuelle Nutzerverhalten in digitalen Umgebungen und unterstützt mit den gewonnenen Erkenntnissen die psychologische Konzeptionierung.


Noch Fragen an Eleni? Schreib ihr eine E-Mail an eleni.papagiannidou@synaigy.com.





Literatur

Bösch, C., Erb, B., Kargl F., Kopp, H., and Pfattheicher, S.. (2016). Tales from the dark side: Privacy dark strategies and privacy dark patterns.

Brignull, H.. (2022). Dark Patterns. https://darkpatterns.org/

Gray, C. M., Kou, Y., Battles, B., Hoggatt, J., & Toombs, A. L. (2018). The Dark (Patterns) Side of UX Design.

Mathur, A., Acar, G., Friedman, M. J., Lucherini, E., Mayer, J., Chetty, M., & Narayanan, A. (2019). Dark Patterns at Scale.